Ein Tag im Domagkpark

Der DomagkPark ist das Jüngste unter Münchens Neubauquartieren. Auf dem Areal der ehemaligen Funkkaserne im Münchner Nordosten werden bis Mitte 2016 rund 1600 Wohnungen in der bewährten Münchner Mischung realisiert, d.h. ca. 800 geförderte und ca. 800 freifinanzierte Wohnungen. Herzstück des künftigen Wohnquartiers ist die zentral gelegene und attraktiv gestaltete große Grünfläche, an die im Süden, Norden und Osten die Wohnhäuser grenzen, während sich im Westen mit der Grundschule, einer Kita, der Trambahn-Haltestelle und einem größeren Supermarkt ein Teil der lokalen Infrastruktur befindet. Eine weiteres kleines Quartierszentrum mit Läden, Büros, Werkstätten, einem Speisecafé mit Veranstaltungssaal und einem Quartiersbüro mit Mobilitätszentrale wird im östlichen Bereich der Siedlung entstehen.

Das Besondere am DomagkPark: „Charta Quartiersvernetzung“

Das Besondere am DomagkPark: Schon lange vor Baubeginn haben sich die dort engagierten Baugemeinschaften, Baugenossenschaften und die Gewofag als kommunales Wohnungsbau-Unternehmen in einer gemeinsam unterzeichneten „Charta Quartiersvernetzung“ zur Zusammenarbeit, inhaltlichen Abstimmung und frühzeitigen Einbindung der künftigen BewohnerInnen in einem so genannten  Konsortium verpflichtet. Das ist zwar für alle Beteiligten ein erheblicher zeitlicher und finanzieller Mehraufwand; aber die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des DomagkParks werden von dieser innovativen Kooperation an vielen Stellen profitieren.

Ganztag-Grundschule, 4 Häuser für Kinder, Zentrum für Kinder, Jugend und Familie

So wird es am DomagkPark neben einer fünfzügigen Ganztag-Grundschule, vier so genannten Häusern für Kinder mit ca. 470 Betreuungsplätzen für 0-6jährige und einem großen Zentrum für Kinder, Jugend und Familie auch noch eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen für nachbarschaftliche Aktivitäten geben. Ein städtisch geförderter Nachbarschaftstreff, eine große Quartierswerkstatt und Pflegewohnungen mit angeschlossenem Pflegestützpunkt gehören ebenso zu diesem Angebot wie Gästeappartements und diverse multifunktionale Gruppenräume, z.B. für Feiern, Lern- und Freizeitangebote, Besprechungen, etc. Für Hobby-Werkler und musikalisch Aktive gibt es eigens ausgestattete Werkstatt- und Musikübungsräume.

Niedrigschwellige Basis für gutes nachbarschaftliches Miteinander

Mit diesem ungewöhnlich vielfältigen Angebot an nachbarschaftsfördernder Infrastruktur, deren Realisierung auch vom Planungsreferat der Landeshauptstadt München organisatorisch und finanziell gefördert wird, soll eine niedrigschwellige Basis für gutes nachbarschaftliches Miteinander aller sozialen Schichten und für ein breites bürgerschaftliches Engagement im Wohnumfeld geschaffen werden. Für den laufenden Betrieb von Nachbarschaftstreff, Quartierswerkstatt und Quartiersbüro mit Mobilitätszentrale werden vom Sozialreferat zwei Vollzeitstellen finanziert.

Beispiele aus verschiedenen Themenbereichen

Um interessierten künftigen Nachbarinnen und Nachbarn eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie ihr Alltag, das nachbarschaftliche Miteinander und (Eigen-)Aktivitäten im Wohnumfeld aussehen könnten, nachfolgend die Beschreibung eines fiktiven Tages im Quartier DomagkPark. Die verwendeten Beispielen sind nur eine kleine Auswahl vielfältiger Möglichkeiten von Aktivitäten und Aktionen im neuen Wohngebiet DomagkPark.

Thema: Nachbarschaft

Beispiel 1: Familie aus Syrien

Eine vor einigen Monaten nach Deutschland gekommene Familie aus Syrien hat in ihrem Briefkasten eine Begrüßungsmappe gefunden, die viele Informationen enthält, wo welche Kindergärten & Schule sind, wie der Hausmeister ihrer Wohnanlage heißt und erreichbar ist, wann der Nachbarschaftstreff, der sich im Nachbarhaus befindet geöffnet hat, etc.. Aufgrund noch unzureichender Deutschkenntisse verstehen sie aber Vieles von dem, was da steht, nicht. Außerdem wissen sie nicht, ob und wo der dreijährige Sohn einen Kindergartenplatz bekommen kann und wo man sich dafür anmelden muss. Am nächsten Tag gehen sie beim Nachbarschaftstreff vorbei, um dies zu fragen. Wegen der Sprachschwierigkeiten ruft die Mitarbeiterin dort bei Hern K., einem syrischen Nachbarn an, den sie vom wöchentlich im Nachbarschaftstreff angebotenen internationalen Frühstückstreff kennt, und fragt, ob er beim Übersetzen behilflich sein könnte. Mit Unterstützung von Herrn K. versteht sie das Anliegen der Familie.
Da sie aus einem regelmäßigen stattfindenden Vernetzungstreffen aller lokalen Sozial- und Bildungseinrichtungen die Leitungen der vier Kitas im Quartier kennt, klärt sie telefonisch, ob und wo es noch einen Kita-Platz für den Jungen gibt.
In dem Gespräch hat sich auch ergeben, dass der Familienvater Schreiner ist und sehr gerne wieder als Schreiner arbeiten würde. Die Leiterin des Nachbarschaftstreffs zeigt ihm daraufhin die nebenan gelegene Quartierswerkstatt. Dort könnte er – nach Abschluss seines Deutsch-Integrationskurses – regelmäßige Holzwerkstatt-Kurse für Interessierte aus der Nachbarschaft anbieten. Neben einem kleinen Verdienst, könnte er auf diese Weise andere Nachbarn kennenlernen und nebenbei noch seine Deutschkenntnisse verbessern.
Seine Frau wird von der Leiterin des Nachbarschaftstreffs eingeladen, doch mal beim internationalen Frühstückstreff vorbeizuschauen. Außerdem gibt sie ihr einen Flyer mit, auf dem die Termine für eine offene und kostenlose Eltern-Kind-Gruppe aufgeführt sind. Da könnte Frau M. mit ihrem achtmonatigen Baby regelmäßig hingehen und andere Mütter/Väter aus der Nachbarschaft mit Babys in diesem Alter kennenlernen.

Beispiel 2: Wohnungsnahe Hausaufgabenhilfe

Im Quartiersbüro und im Büro des Nachbarschaftstreffs kommen vermehrt Anfragen nach möglichst wohnungsnaher und möglichst kostengünstiger Hausaufgabenhilfe. Nach Rücksprache und Abstimmung mit der Leiterin des Nachbarschaftstreffs wird beschlossen, gemeinsam mit der Kinder- und Jugendbeauftragten des zuständigen Bezirksausschusses (BA12) und dem Leiter des neu eröffneten Hauses für Kinder, Jugend und Familie (Träger: Feierwerk) eine Lösung zu finden. Die sieht dann so aus, dass einer der Räume im Haus für Kinder, Jugend und Familie für eine Hausaufgabengruppe mit 20 Kindern kostenlos genutzt werden kann. Zur Anschubfinanzierung der notwendigen fachlichen Betreuung wird ein Antrag an den BA12 gestellt. Über die Quartiershomepage und den regelmäßig vom Quartiersbüro verschickten newsletter werden zusätzlich noch engagierte Nachbarn gesucht, die bei dem Hausaufgabenprojekt als Ehrenamtliche mitmachen und als Bildungspaten für einzelne Kinder fungieren.

Thema: Gemeinschaftsräume

Beispiel 1: Geburtstagsfeier der 5-jährigen Tochter

Frau S. ist alleinerziehend und möchte den fünften Geburtstag ihrer kleinen Tochter in einem der Gemeinschaftsräume im Quartier feiern. Auf der Homepage www.domakgpark.de findet sie einen online-Plan, auf dem alle öffentlich nutzbaren Gemeinschaftsräume aufgeführt und mit Foto und Text beschrieben sind. Die aktuelle Belegung aller Räume ist auf diesem Plan ebenfalls sichtbar; so kann sie sehen, dass an dem gewünschten Termin noch drei verschiedene Räume verfügbar sind. Da die Kindergeburtstagspauschale für alle Räume gleich ist, entscheidet sie sich für den nächst gelegenen. Sie schickt eine entsprechende Buchungsmail an das Quartiersbüro und bekommt kurz darauf von der dortigen Mitarbeiterin, die sich um Raummanagement im Quartier kümmert, eine Bestätigung der Buchung. Sie weiß, dass sie den Schlüssel für den Raum am Vortag im Quartiersbüro abholen, den Raum bezahlen und eine Kaution hinterlegen muss. Gemeinsam mit ihrer Tochter kann sie nun die Einladungen mit Angabe der Raumadresse gestalten.

Beispiel 2: 50ster Geburtstag mit vielen Freunden

Herr K. möchte seinen 50sten Geburtstag groß und mit vielen Freunden feiern. Er fragt in dem von Nachbarinnen betriebenen Speisecafé der wagnis-Genossenschaft an, ob und zu welchen Konditionen das möglich ist. Die Betreiberinnen unterbreiten ihm ein Angebot für ein Catering und zeigen ihm den an das Café angeschlossenen großen Veranstaltungsraum, in dem genügend Platz und auch Technik für eine große Tanzparty vorhanden ist. Da der Saal an „seinem“ Termin jedoch bereits mit einer Kulturveranstaltung belegt ist, entscheidet er sich, seine Feier um eine Woche zu verschieben.
Da zu der Feier viele Freunde/Verwandte kommen werden, die nicht in München wohnen, kümmert er sich gleich darum, dass er möglichst viele von den insgesamt neun Gästeappartements im Quartier reservieren kann. Die Verfügbarkeit kann er über den online-Belegungsplan auf www.domagkpark sehen, zur Buchung schickt er eine mail an das Quartiersbüro. Dort kann er dann für die Übernachtungen bezahlen, die notwendige Kaution hinterlegen und die diversen Schlüssel erhalten.

Thema: nachbarschaftliche (Eigen-)Aktivitäten

Beispiel 1: Kleidertausch-Party

Ein paar Nachbarinnen möchten gerne eine Kleidertausch-Party organisieren, weil sie finden, dass das zum einen ökologisch sinnvoll ist und es zum anderen viele (neue) NachbarInnen zusammenbringt. Bei einem Anruf im Quartiersbüro erfahren, dass sie einen passenden Raum dafür bei der für Raummanagement zuständigen Kollegin online buchen können. Sie entscheiden sich für den großen Gruppenraum im Nachbarschafstreff – auch um ökonomisch schwächere Haushalte auf diese Alternative zum Neukauf von Kleidung aufmerksam zu machen.
Die Werbung dafür können sie auf der Quartiersplattform www.domagkpark.de entweder selbst über eine eigens dafür vorgesehene Maske einstellen oder einen entsprechenden Text an die im Quartiersbüro für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin schicken. Diese leitet die Information dann auch gleich noch in den von ihr gepflegten lokalen Presseverteiler weiter und nimmt sie in den nächsten newsletter, für den man sich jederzeit auf der Quartiersplattform registrieren kann, mit auf.
Die Veranstaltung selbst ist dann sehr gut besucht, so dass die Initiatorinnen beschließen künftig regelmäßig zweimal jährlich so eine Kleidertausch-Party für's Quartier zu organisieren. Beim Vorbereitungstreffen dazu sind ihnen außerdem noch eine Reihe weiterer Ideen gekommen , wie sie sich aktiv in und für ihre Nachbarschaft einbringen können (z.B. ein nachbarschaftliches Sommerfest im Quartierspark). Um das weiter zu verfolgen, nehmen sie sich vor, dass eine von ihnen zum nächsten monatlichen „Quartierstisch“ geht, bei dem es um die Abstimmung der vielfachen Aktivitäten der verschiedenen Akteure im Quartier geht. Den Termin hierzu finden sie auf der Homepage.

Beispiel 2: Repair-Café und Mobilitätsstation

Seit kurzem gibt es am DomagkPark auch ein Repair-Café. Bei einer vom Nachbarschaftstreff organisierten Fahrrad-Reparatur-Aktion kamen so viele nicht mehr reparaturfähige alte Fahrräder zusammen, dass die ehrenamtlich Aktiven im Repair-Café beschlossen, aus drei alten Rädern ein „neues“ Lastenrad zu bauen, das dann kostenlos bei der Mobilitätsstation ausgeliehen werden kann. Da das Repair-Café für diese Aktion zu klein ist, buchen sie dafür einen der Räume in der Quartierswerkstatt.

Thema: Quartiersvernetzung-/organisation

Beim monatlich vom Quartiersbüro organisierten Quartierstisch kommen Verantwortliche der lokalen Sozial- und Bildungseinrichtungen, sowie jeweils ein/e VertreterIn des REGSAM-Netzwerks, des BA12 und der örtlichen Kirchen zusammen, um Quartiersthemen inhaltlich und organisatorisch abzustimmen, Handlungsbedarfe abzuschätzen und passende Maßnahmen einzuleiten. Die Termine und Themen für den Quartierstisch stehen für alle auffindbar auf der Homepage; BürgerInnen, die ein bestimmtes Thema/Anliegen einbringen wollen, können dies persönlich oder über das Quartiersbüro tun.

Aktuell stehen zwei Themen zur Diskussion:

a) Interkultureller Gemeinschaftsgarten: Von verschiedenen Seiten taucht immer wieder der Wunsch nach einem interkulturellen Gemeinschaftsgarten auf. Die Runde verständigt sich darauf, dass die Leiterin des Quartiersbüros mit Unterstützung des BA beim zuständigen Bau- oder Kommunalreferat sondiert, ob und wo es ggf. eine geeignete – auch temporär verfügbare - Fläche gäbe. Die Leiterin des Nachbarschaftstreffs betont, dass so ein Gartenprojekt für viele NachbarInnen mit Migrationshintergrund eine tolle Möglichkeit wäre, ihr oftmals vorhandenes Gartenwissen einzubringen und sprichwörtlich im neuen Quartier Wurzeln zu schlagen.

b) Quartierszeitung / Blog auf der Homepage: Da es am DomagkPark auch viele Haushalte gibt, die nicht ständig online sind, diskutiert der Quartierstisch schon seit längerem, ob eine Quartierszeitung initiiert werden soll, die als Printausgabe in jeden Briefkasten verteilt wird, deren Themen aber auch als Blog auf die Homepage gestellt werden könnten. Man einigt sich darauf, im nächsten newsletter einen entsprechenden Aufruf zu machen bzw. über nachbarschaftliche Kanäle eventuell interessierte ehrenamtliche Redakteurinnen anzusprechen.

Thema: Mobilität

Familie P. ist ganz neu in den DomagkPark gezogen. Besonders toll finden Sie, dass Sie nun kein eigenes Auto mehr brauchen, da es vor Ort eine Mobilitätsstation gibt, bei der man übertragbare MVV-Tickets, Leih-Fahrräder und Leih-Autos unkompliziert und kurzfristig mieten kann.
Für eine Fahrt zu Ikea brauchen sie nun für ein paar Stunden einen größeren Kombi, den sie am Vortag online reserviert haben. Den Fahrzeugschlüssel bekommen sie über einen Zugangscode zum Schlüsselsafe, die Abrechnung erfolgt bargeldlos.
Da sie am Wochenende Besuch von Freunden bekommen und mit diesen eine Radtour planen, reservieren sie gleich noch zwei Leih-Räder und einen Kinder-Anhänger dazu. Die Freunde werden begeistert sein...